EINGEWANDERT & ANGERICHTET
Ein kulinarischer und ökologischer Blick auf invasive Arten am Reißbach
Ausgerechnet am heißesten Tag des Jahres fand am Sonntag, dem 28. Juni 2026, eine besondere Exkursion entlang des Reißbachs statt. Trotz hochsommerlicher Temperaturen machten sich zahlreiche Interessierte vom Feuerwehrhaus Hörmanns aus gemeinsam mit Fachexperte Leo Kirchmaier und Schutzgebietsbetreuer Axel Schmidt auf den Weg, um das Natura-2000-Gebiet rund um den Reißbach mit allen Sinnen zu erleben. Die Hitze machte dabei eindrucksvoll sichtbar, wie sich unsere Landschaft verändert: Längere Vegetationsperioden und steigende Temperaturen begünstigen die Ausbreitung gebietsfremder Arten, die ursprünglich oft mit guten Absichten – als Zierpflanzen, Bienenweiden oder aus wirtschaftlichen Gründen – nach Österreich gebracht wurden.
Ökologischer Blick: Wenn gebietsfremde Arten zum Problem werden
Entlang des Reißbachs erzählten Axel Schmidt und Leo Kirchmaier die spannenden „Einwanderungsgeschichten“ invasiver Arten und erklärten ihre Auswirkungen auf heimische Lebensräume.
Besonders im Fokus stand der Signalkrebs. Er wurde in den 1970er-Jahren in Österreich eingeführt, um den Rückgang heimischer Flusskrebse auszugleichen und den Bedarf an Speisekrebsen zu decken. Heute zählt er zu den größten Bedrohungen für unsere 4 heimischen Flusskrebsarten. Er ist konkurrenzstärker, vermehrt sich rascher trägt den für die heimischen Krebsarten tödlichen Erreger der „Krebspest“ in sich, ohne meist selbst schwer daran zu erkranken. Charakteristisch sind seine hellen Signalflecken an den Scherengelenken und die glatte Panzeroberfläche. Als Fischereiausübungsberechtigter am Reißbach stellte Leo Kirchmaier außerdem die traditionellen Fangmethoden mit Krebsreuse und Krebsteller vor und erklärte, warum ein regulierender Eingriff bei diesen invasiven Krebsen für das Gewässersystem vorteilhaft ist.
Auch aus der Pflanzenwelt gab es Interessantes zu berichten. Das Drüsige Springkraut, einst als attraktive Gartenpflanze und Bienenweide eingeführt, breitet sich heute rasant entlang der Gewässer aus und verdrängt heimische Pflanzenarten. Der Japanische Staudenknöterich zählt ebenfalls zu den problematischsten invasiven Pflanzen. Ursprünglich als Zierpflanze, als Wildäsung und Sichtschutz eingeführt, bildet er nicht nur entlang von Gewässern dichte Bestände, verdrängt heimische Vegetation und erhöht durch sein Wurzelwachstum die Erosionsgefahr an den Ufern. Auch Kanadische Goldrute, der Riesenbärenklau sowie die Stauden-Lupine breiten sich zunehmend aus. Ihre Bekämpfung ist aufwendig und erfordert konsequentes Ausreißen oder Ausstechen der tiefreichenden Wurzeln. Die Exkursion machte eindrucksvoll deutlich, wie eng Klimawandel, menschliches Handeln und der Schutz unserer heimischen Artenvielfalt miteinander verbunden sind. Denn neben den invasiven Arten blieb auch Zeit, die Besonderheiten des Natura-2000-Gebiets kennenzulernen und mehr über die wertvollen Lebensräume und deren Ökosystemleistungen entlang des Reißbachs zu erfahren.
Kulinarischer Blick: If you can't beat it, eat it!
Ganz nach diesem Motto übernahm René Zimmermann mit seiner Initiative Waldjungfrau den kulinarischen Part der Exkursion. Kaum ein anderer verbindet regionale Küche, Nachhaltigkeit und Naturwissen so konsequent wie er. Mit seiner kompromisslosen „Farm to Fork“-Philosophie verarbeitet er ausschließlich biologische Lebensmittel aus einem Umkreis von rund 20 Kilometern. Im eigenen Naschgarten macht er zudem sichtbar, wie der Klimawandel längst auch im Waldviertel angekommen ist. Aus regionalen Zutaten, Wildpflanzen und selbst gesammelten Schätzen entstehen außergewöhnliche Gerichte, die zeigen, wie eng Kulinarik und Natur miteinander verbunden sind. Und so eröffneten eingelegte junge Triebe des Staudenknöterichs nicht nur den kulinarischen Teil der Veranstaltung, sondern auch einen völlig neuen Blick auf bekannte Problemarten. Die gefangenen Signalkrebse wurden direkt vor Ort waidgerecht zubereitet. Bevor der kulinarische Höhepunkt genossen werden konnte, war zunächst etwas Geschick gefragt: Das zarte Krebsfleisch musste sorgfältig aus dem Panzer gelöst werden. Die Handgriffe wollen geübt sein und brauchen – zumindest zu Beginn – etwas Zeit. Diese wurde jedoch bestens genutzt, um persönliche Geschichten rund um den Reißbach auszutauschen und angeregte Gespräche über Naturschutz, invasive Arten, die traditionelle Fischerei und die Besonderheiten des Schutzgebiets zu führen.
Die Veranstaltung machte eindrucksvoll deutlich, dass sich ökologische Herausforderungen und kulinarische Kreativität nicht ausschließen. Im Gegenteil: Wer die Geschichten hinter den eingewanderten Arten kennt, gewinnt nicht nur ein besseres Verständnis für den Naturschutz, sondern entdeckt auch neue Möglichkeiten, mit ihnen umzugehen. Möglich wurde dieser gelungene Nachmittag durch das gemeinsame Engagement vieler Menschen. Dafür gilt den Referenten, der Freiwilligen Feuerwehr Hörmanns, den zahlreichen Helferinnen und Helfern vor und hinter den Kulissen sowie den Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern ein herzliches Dankeschön.