Exkursion am Bruneiteich

Waldviertler Karpfenteiche & Biodiversität

Die Waldviertler Teiche sind Hotspots der Artenvielfalt und Teil einer einzigartigen Kulturlandschaft. Im Rahmen einer Exkursion der KLAR! Waldviertel Nord und des NÖ Teichwirteverbandes am Freitag, dem 19. Juni 2026 an den Bruneiteich in Heidenreichstein stand daher die Biodiversität der Waldviertler Karpfenteiche im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Experten aus Gewässerökologie, Naturschutz, Ornithologie und Teichwirtschaft erhielten die rund 30 Teilnehmenden Einblicke in unterschiedliche Facetten dieses vielfältigen Lebensraums – von der oft verborgenen Welt des Planktons und seltenen Pflanzenarten über die große Bedeutung der Teiche für Vögel bis hin zur Wichtigkeit der Bewirtschaftung für die Erhaltung der Teiche.

 

Die verborgene Vielfalt im Karpfenteich: Mag. Dr. Christian Bauer, Leiter der Ökologischen Station Waldviertel am Institut für Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft, lenkte den Blick auf die oft übersehene Welt der Algen und Kleinstlebewesen. Diese bilden die Grundlage des Nahrungsnetzes in den Teichen und tragen wesentlich zur ökologischen Funktion der Gewässer bei. Er ging dabei auch auf die wertvollen Omega-3-Fettsäuren ein, die wesentlich zur hohen ernährungsphysiologischen Qualität des Waldviertler Karpfens beitragen. Zudem präsentierte er Forschungsergebnisse zu den bereits heute spürbaren Auswirkungen des Klimawandels auf die Teichökosysteme. So erwärmen sich die Teiche im Frühjahr früher und kühlen im Herbst später ab, wodurch sich die biologischen Prozesse in den Gewässern verändern.

 

Seltene Pflanzen brauchen Bewirtschaftung: Andreas Prenner BSc vom Naturschutzbund Niederösterreich stellte die Bedeutung der Teiche für seltene und geschützte Pflanzenarten vor. Besonders spezialisierte Arten wie Zwergbinsen- und Schlammlingsgesellschaften sind auf die auf die periodisch trockenfallenden Uferzonen und damit die traditionelle Bewirtschaftung angewiesen. Regelmäßige Abfischung und zeitweise Trockenlegung schaffen jene offenen Lebensräume, die diese konkurrenzschwachen Pflanzen benötigen. Ohne Bewirtschaftung würden viele dieser Flächen langfristig von Schilf und anderen dominanten Pflanzen verdrängt werden

 

Bedeutender Lebensraum für Wasservögel: DI Benjamin Watzl erläuterte die herausragende Bedeutung der Waldviertler Teichlandschaft für die Vogelwelt. Die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft zählt zu den bedeutendsten Wasservogelgebieten Österreichs und wird in ihrer nationalen Bedeutung unmittelbar nach dem Neusiedler See gereiht. Zahlreiche Brut-, Rast- und Zugvogelarten finden in den vielfältigen Teichlebensräumen Nahrung, Schutz und geeignete Brutplätze.

 

Internationale Anerkennung für die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft: DI DI Leo Kirchmaier, Fachreferent der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und Geschäftsführer des NÖ Teichwirteverbandes, stellte die internationale Auszeichnung der „Waldviertler Karpfenteichwirtschaft“ als landwirtschaftliches Weltkulturerbe (GIAHS – Globally Important Agricultural Heritage Systems) durch die FAO vor. Ausschlaggebend dafür war das einzigartige Zusammenspiel von traditioneller Lebensmittelproduktion, nachhaltiger Wasserbewirtschaftung, regionalem Wissen und Identität, Biodiversität und der über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft. „Die Waldviertler Karpfenteiche sind ein über Jahrhunderte entstandenes, vom Menschen geprägtes landwirtschaftliches System mit hohem ökologischem Wert. Ihre außergewöhnliche Artenvielfalt hängt mit einer fachgerechten Bewirtschaftung zusammen. Viele der heute charakteristischen Lebensräume sowie zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wären ohne die traditionelle Teichwirtschaft nicht erhalten geblieben.

 

Austausch im Zeichen dieser einzigartigen Kulturlandschaft. Einigkeit bestand darüber, dass die vielfältigen Leistungen der Teichlandschaft für Biodiversität, Wasserhaushalt, Klimaanpassung und regionale Lebensmittelversorgung nur durch eine aktive und wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaftung langfristig erhalten werden können. Diskutiert wurden die bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels auf die Teiche sowie Herausforderungen für die Teichwirtschaft, etwa durch steigende Wassertemperaturen und Schäden durch Prädatoren wie Fischotter, Kormoran und Reiher.

Die zentrale Botschaft der Exkursion lautete: Die hohe Biodiversität der Waldviertler Teichlandschaft ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Bewirtschaftung. Die Exkursion zeigte zugleich, wie wertvoll der Austausch zwischen Forschung, Naturschutz und Teichwirtschaft für den langfristigen Erhalt dieser einzigartigen Kulturlandschaft ist.

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